Montag, März 06, 2006

Herz gewinnt

Meine derzeitige Liebe für oldschool Tattoo-Motive (Anker, Spielkarten, nautische Sterne, Schwalben etc.) bzw. Motive aus dem Rockabilly Bereich machen auch vor dem Essen nicht mehr Halt.

Beim Schlendern durch Buchläden fiel mir letztens das Werk "Alice im Schlaraffenland" in die Hände, ein wundervoll illustriertes "Kochbuch" (trifft es nicht ganz. Eher Kochen meets Bildband). Beim Durchblättern sprangen mir Kekse in Spielkartenform ins Auge und ich notierte auf meiner geistigen to-do Liste: machen.
Das Buch musste dann aber doch im Regal bleiben, ganz billig ist es nicht und die Rezepte sind auch nicht wirklich was für den Alltag. Toll ist es trotzdem (Wenn sich also jemand dazu berufen fühlen sollte es mir zu schenken - gerne ;-) ).

Draußen fallen immer noch Schneeflocken vom Himmel und meine Zeit hier zu Hause geht so langsam wieder zu Ende. D.h.: letzte Möglichkeit um den Backofen auszunutzen. Und Kekse backen und Schnee harmoniert ja ganz hervorragend. Viel mehr kann man ja eh nicht machen (wenn man so wintersportbegeistert ist wie ich *gg*).

Also ein Rezept für Teig gesucht, der möglichst nach ein bisschen mehr als 08/15-Ausstechteig schmeckt und sich trotzdem gut verarbeiten lässt. Der Vanillesandteig aus "Wunderkekse" hörte sich ganz gut an - und los gings.
Ich habe den Teig mit Hilfe von Mamas Food Processor der neuen Küchenmaschine gemacht, geht dann auch ganz schnell und problemlos. Zum Ausstechen habe ich eine 4 x 7 cm große Rechteckform verwendet. Zur Not lassen sich die Rechtecke aber auch bestimmt schneiden. Dann backen, bis die Ränder goldbraun sind und auskühlen lassen.

Am nächsten Tag sollten aus langweiligen Rechtecke also Spielkarten werden. Dazu wird ihnen als erstes ein weißer Guss verpasst. Dazu 100 g gesiebten Puderzucker mit 1 Eiweiß 5-10 Minuten schlagen bis Spitzen bleiben, wenn man den Rührer aus dem Guss nimmt.
Damit der Guss möglichst glatt wird, habe ich ihn mit einem Löffelrücken auf die Kekse gebracht. Mein erster Versuch mit einem Pinsel erwies sich eher als suboptimal.


Dann den Guss wieder gut trocknen lassen. Falls noch was vom weißen Guss übrig ist, kann man die rote Lebensmittelfarbe gleich einrühren (danach mit Klarsichtfolie abdecken!). Ansonsten muss man eben nochmal neuen Guss machen. Ich habe fast eine ganze Tube rote Lebensmittelfarbe von Schwartau verwendet. Ich will ja keine rosa Spielkarten! Meine Suche nach schwarzer Lebensmittelfarbe blieb ohne Erfolg. Ts ts ts, denkt eigentlich auch jemand an die armen backwütigen Gruftis? Wie sollen die denn ihre Fledermäuse bepinseln. Etwa sonnengelb? ;-)
Nunja, dann eben nur Herzen und Karos.
(Dank Onlinerecherche weiß ich jetzt, dass der Hobbybäckerversand scheinbar ein Herz für die Seelen der Nacht hat. Jedenfalls gibts hier schwarze Lebensmittelfarbe.)

Und nun gehts ans Eingemachte. Herzen und Karos auf Kekse bringen. Leichter gesagt als getan. Zuerst hab ich versucht mit Hilfe einer Papiertüte die Motive aufzuspritzen, jedenfalls die größeren; den Rest habe ich dann mit einem Pinsel versucht aufzumalen. Das ging aber nur begrenzt gut. Jetzt weiß ich auch warum Joanna Farrow, die Autorin der Wunderkekse für alles, was halbwegs geformt aussieht Fondantmasse benutzt, die Formen dann aus eben solcher ausstanzt und mit Zuckerguss aufklebt. Das wäre wahrscheinlich die Lösung gewesen. Da ich aber keine Fodantmasse hatte, musste ich halt weiterpinseln. Mehr oder weniger ordentlich.
Daher gibts auch nur Asse, 2er und 3er. Einen 4er. Mehr nicht. Wer bin ich denn ;-). (Bei 3/4 der Kekse habe ich mich auch noch vermalt. Irgendwie habe ich immer wieder angefangen, die Symbole ins rechte obere Eck zu setzen, dabei gehören sie ins linke! Hier erkennt man, dass ich keine passionierte Kartenspielerin bin..)
Bald hatte ich keine Lust mehr auf Spielkarten und bemalte die Kekse mit Ankern, gekreuzten Knochen, Krönchen und Katzenköpfen. Was man auf Kekse halt so malt ;-)


Manch einer wird sich nun vielleicht fragen: Spinnt sie eigentlich komplett? Dazu sage ich jetzt mal nichts. Dafür kann ich aber berichten, dass die Kekse wirklich lecker schmecken. Angenehm "sandig", krümelig mit feiner Vanillenote. Der Teig ließ sich wirklich hervorragend verarbeiten, also sicher auch gut zum Herzen, Sterne, Ostereier ausstechen. Ich könnte mir die Kekse z.B. als nette Deko an einem Osterstrauß oder auch mit Namen als Platzhalter bei schönen Essen vorstellen.

Vanillesand aka Spielkartenkekse

========== REZKONV-Rezept - RezkonvSuite v1.02

Titel: Vanillesand
Kategorien: Keks, Basis
Menge: 20 Plätzchen

280 Gramm Weizenmehl
200 Gramm Feste Butter
100 Gramm Puderzucker
2 Eigelbe *
1 Teel. Vanilleessenz/Vanilleextrakt

============================== QUELLE ==============================
Joanna Farrow - Wunderkekse
-Erfasst *RK* 05.03.2006 von
-Kathi Holzapfel

Das Mehl und die in kleine Stücke geschnittene Butter in eine
Küchenmaschine geben und zu einer krümeligen Masse verarbeiten. Den
Zucker, die Eigelbe und den Vanilleextrakt hinzugeben und zu einem
Teig kneten. Zudecken und eine Stunde kühl stellen.

Den Ofen auf 200 °C vorheizen.

Den Teig auf einer bemehlten Fläche ausrollen und runde oder eckige
Formen ausstechen. Die Plätzchen auf den Blechen ca. 12 Minuten
backen, bis die Kanten eine goldbraune Farbe annehmen, dann zm
Abkühlen auf ein Kuchengitter legen.

Anmerkung Kathi:

Als Teig für die "Spielkartenkekse" verwendet. Teig mit dem Food
Processor verarbeitet, ließ sich nach dem Kühlen hervorragend
verarbeiten. Etwa 5 mm hoch zwischen Klarsichtfolie ausgerollt
(zwischen zwei 5 mm hohen Holzbrettchen). Ergab ca. 30 Kekse (4 x 7
cm). Die Kekse schmecken toll! Nicht langweilig wie 08/15
Ausstechteig sondern angenehm "sandig" mit feiner Vanillenote.

*Das Eiweiß kann man für den Zuckerguss verwenden!

=====


Kommentare:

  1. Toll! Deine Geduld und ruhige Hand möchte ich haben. ;-)

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  2. Die sehen nicht nur wunderschön aus, die schmecken auch richtig gut - ich kann's bestätigen :-)

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  3. Wow, echt toll! Aber die Geduld hätte ich bestimmt nicht.... Toll, Foodblogger der jüngeren Generation an die Macht^^ (zu denen ich ja auch gehöre *18*)

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  4. Na, ich weiss schon, warum ich nicht backe oder keine Desserts mache ;-))

    Sieht toll aus !!

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  5. Wow, die sehen wirklich klasse aus! Glückwunsch.

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  6. Die sehen ganz, ganz toll aus! Sehr schönes Foto!

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  7. Kochfrosch, sie sehen ja niedlich aus! Echt, feines Werk und witzige Idee.

    Dieses Alice-Buch hatte ich auch im Buchladen gesehen. (Erst dachte ich, es wäre ein Märchen Buch, das man aus Versehen bei den Kochbüchern gelassen hat.) Die Illustrationen und die Idee fand ich sehr gelungen. Also wirklich ein tolles Buch, leider aber auch ein wenig teuer...

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  8. Vielen vielen Dank ihr Lieben, freut mich, dass die Kekse solchen Anklang finden :).
    Und soo viel Geduld braucht man gar nicht. Ich habe ja nicht so viele Kekse gebacken. 100 Stück möchte ich allerdings auch nicht bepinseln ;-).

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  9. Ich hätt bei sowas ja spätestens nach der Hälfte vom ersten Keks verzweifelt, die Küchen in Schutt und Asche gelegt und dann doch "Haufenkekse" gebacken...

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  10. @Florian: Wieso verzweifelt? Das Ausrollen und Ausstechen ging ja ganz leicht. Du hättest sie vielleicht alle mit nur mit Zuckrguss bepinselt ;-). Haufenkekse aus dem Teig stell ich mir etwas schwierig vor *g*

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  11. ich hab nicht die ruhe dazu, klar, ausstechen und glasur drauf - ok, aber dann noch zahlen, nejnejnej.
    und haufenkekse mach ich aus jedem teig :P

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  12. Grad will ich die Kekse backen und suche verzweifelt die richtige Zuckermenge... muss ich wohl improvisieren. Kannst Du die noch nachliefern bitte? :)

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  13. Ups, die hab ich im Rezept wohl vergessen. Leider liegt das Buch daheim im Bayerwald und ich erreich dort auch grad niemanden, der nachsehen könnte.
    Ich hoffe, die Improvisierung gelingt trotzdem. Nachgeliefert wird die Menge bestimmt!

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  14. Es sind 100 g Puderzucker, die da reinkommen, werds gleich mal ergänzen gehen!

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